So kennt ihn die Nachwelt: Porträt des 69jährigen Friedrich, gemalt von Anton Graff. 5 Jahre lang wird er da noch Preußenkönig sein. Als er am 17. August 1786 in Sanssouci stirbt, ist er bereits eine Legende. Ein kleiner Mann mit Dreispitz und Krückstock, der ein Großer unter Europas Herrschern sein wollte. Das Volk nannte ihn "Alter Fritz", 2012 wird sein 300. Geburtstag gefeiert.
Macht und Mythos - Friedrich der Große
Eine schwierige Jugend
Den Vater hat er gehasst, seine Züchtigungen gefürchtet, militärischen Drill verachtet. Die aufgezwungene Ehe mit Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern war ihm ein Gräuel. Der frisch gebackene Ehemann stellte seiner Schwester seine Frau mit den Worten vor: "Dies ist meine alte Kuh". Hier, in Schloss Rheinsberg, sollen beide dennoch einige verliebte Monate verbracht haben.
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Tafeln mit Philosophen
So sah Friedrich II sich am liebsten: In heiterer Tafelrunde mit geladenen Gästen, vor denen er mit Bildung und Spott brillieren konnte. Gesprochen wurde ausschließlich Französisch. Nicht nur, wenn ein berühmter Philosoph aus Frankreich zu Gast war: Voltaire war ein Freund des Monarchen. Man huldigte sich gegenseitig, aber es gab auch Zerwürfnisse. Ihr Briefwechsel erstreckte sich über Jahrzehnte.
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Musenfreund und Musiker
Jeden Abend fanden vor handverlesenem Publikum Konzerte im Schloss statt. Der Monarch selbst spielte dabei eine Hauptrolle, er war ein hervorragender Flötist. Berühmte Musiker seiner Zeit, wie Carl Philipp Emanuel Bach, musizierten bei Hofe. Auch den Bau eines Opernhauses in Berlin veranlasste der König. Außerdem schrieb er seit seiner Jugend Gedichte, es gibt sechs dicke Bände mit Lyrik von ihm.
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Feldherr, Stratege, Hasardeur
In den drei Schlesischen Kriegen zwischen 1740 und 1763 kämpfte Friedrich II gegen die Großmächte der damaligen Welt. Häufig, wie hier in der Schlacht von Zorndorf am 25. August 1758, führte er seine Truppen selbst an. Seine Siege errang er aber nicht nur durch Strategie. Häufig hatte er in aussichtsloser Lage einfach Glück. Die Feldzüge verwandelten ihn – in einen zornigen, unduldsamen Tyrannen.
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Knollen für das Volk
Die Kartoffel war zu Zeiten Friedrichs eine exotische Kostbarkeit. Angesichts von massivem Bevölkerungswachstum und grassierenden Hungersnöten, machte sich der Monarch zum Anwalt der Knolle, sie sollte zum Volksnahrungsmittel werden. Doch das Volk war skeptisch. Es bedurfte königlicher Verfügungen, um ihm die Erdfrucht schmackhaft zu machen. Ab und an kontrollierte er ihren Anbau sogar selbst.
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"Ohne Sorgen": Das Schloss des Königs
In Potsdam ließ sich Friedrich II ein Refugium bauen. Eingeweiht wurde Schloss Sanssouci 1747 mit Prunk und Champagnerbankett. Es war ein Schloss zum Wohnen, besonders im Sommer, nicht übermäßig groß, aber schön in einem Park gelegen. Das Volk hatte Zutritt zum Park und ausgewählten Räumlichkeiten. 1991 wurde Friedrich hier mehr als 200 Jahre nach seinem Tod bestattet – wie er es gewollt hatte.
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Heroisiert, instrumentalisiert, kritisiert
Viele haben Friedrich II verklärt. Im Nationalsozialismus galt er als deutscher Pflichtmensch. In der Potsdamer Garnisonkirche, wo er beigesetzt war, begingen die Nazis am 21. März 1933 den "Tag von Potsdam" – die Einberufung des neuen Reichstages, bei der Adolf Hitler sich in einer Reihe mit Friedrich dem Großen präsentierte. Das hat auch den Spott von Karikaturisten hervorgerufen.
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Stolzer Reiter
75 Jahre nach seinem Tod wurde ein Reiterdenkmal für den König in Berlin enthüllt, auf der Prachtstraße Unter den Linden. Dort steht es auch heute, nachdem es im Zweiten Weltkrieg beschädigt und demontiert, und 1963 bei Sanssouci wieder aufgebaut worden war. Seit 1980 blickt Friedrich wieder über den Boulevard; seit die DDR-Oberen beschlossen hatten, dass er mehr war als ein feudaler Tyrann.
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Kunstfigur Friedrich
Schon zu Lebzeiten war der "große" Friedrich - der eigentlich klein und etwas krumm gewachsen war - eine Legende. Aber auch die Nachwelt hat ihm Denkmäler gesetzt und mehr als das: Friedrich II war Filmgestalt und, wie man hier auf dem Bild von Andy Warhol sieht, Motiv für die Kunst bis ins 20. Jahrhundert.
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Das Vermächtnis
Friedrich war schon zu Lebzeiten eine Legende, weil er mit seinen Soldaten im Feld kampierte, volksnah war und erreichbar für seine Untertanen, denen er sich gern als "erster Diener des Staates" präsentierte. Er stieß eine Justizreform an, verbot die Folter, predigte Toleranz. Er war eben anders als alle anderen deutschen Monarchen vor ihm.
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